EZB

Bankenaufseher empfehlen längeren Dividendenstopp

Frankfurt/Main | 28.07.2020 | Reuters

Die EZB-Bankenaufsicht verlängert wegen der Corona-Krise ihre Empfehlung zum Verzicht auf Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe für Geldhäuser um drei Monate. Die Institute sollen solche Vorhaben nun bis zum 1. Januar 2021 aussetzen, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Dienstag in Frankfurt mitteilte. Die überarbeite Empfehlung sei befristet und eine Ausnahme. Sie ziele darauf ab, dass Banken in diesem unsicheren Umfeld in der Lage bleiben, Verluste zu verkraften und die Wirtschaft zu unterstützen, erklärten die Aufseher. Bislang hat die EZB an die Geldhäuser appelliert, bis mindestens zum 1. Oktober keine Gewinne auszuschütten.

„Alle unsere Aufsichtsmaßnahmen und -schritte sind und werden weiter darauf ausgerichtet sein, sicherzustellen, dass der Bankensektor robust bleiben kann und die wirtschaftliche Erholung mit einem angemessenen Kreditangebot unterstützt,“ erklärte EZB-Chefbankenaufseher Andrea Enria in einem Blog-Beitrag. Auch in Großbritannien schaut sich die Aufsicht das Thema an. Die Bank von England kündigte an, sie werde untersuchen, ob die Aussetzung von Aktienrückkäufen und Dividendenzahlungen über das Jahresende hinaus verlängert werden soll.

Der Aufbau starker Kapital- und Liquiditätspuffer seit der Finanzkrise habe Banken während der Corona-Pandemie in die Lage versetzt, weiterhin Kredite an Haushalte und Unternehmen auszureichen, sagte Enria. Das habe dazu beigetragen, die Wirtschaft zu stabilisieren. Geldhäuser sollten diese Polster weiterhin nutzen, um sich auf dieses übergeordnete Ziel zu konzentrieren. „In der Zwischenzeit, und um Banken bei der Planung zu unterstützen, signalisieren wir eine allmähliche Rückkehr zur Normalität,“ sagte Enria.

Die EZB forderte die Institute dazu auf, bei der variablen Vergütung ihrer Manager „extrem zurückhaltend“ vorzugehen. Bevor die Kapitalaufzehrung in Folge der Corona-Krise ihren Höhepunkt erreicht hat wollen die Aufseher die Geldhäuser nicht dazu anhalten, ihre Kapitalpuffer wieder aufzufüllen. Über den Zeitplan soll nach dem 2021 vorgesehenen EU-weiten Bankenstresstest entschieden werden.

EZB VERÖFFENTLICHT ANALYSE ZU CORONA-AUSWIRKUNGEN

Die EZB will den Instituten erlauben, von bestimmmten Kapital-Vorgaben bis Ende 2022 und von einigen Liquiditätsvorgaben bis Ende 2021 abzuweichen. Manche Maßnahmen, die die EZB zu Krisenbeginn beschlossen hatte, werden aber nun zurückgenommen. So sollen beispielsweise Vorort-Inspektionen wieder aufgenommen werden. Gleiches gelte für die Prüfung interner Modelle.

Die Bankenwächter EZB veröffentlichten darüber hinaus die Ergebnisse einer Analyse, die die möglichen Auswirkungen des Konjunktureinbruchs infolge der Corona-Pandemie auf die Banken abschätzt. In ihrem zentralen Szenario, das für 2020 einen Einbruch der Wirtschaft im Euro-Raum um 8,7 Prozent annimmt, würde die Kernkapitalquote (CET 1) der Institute bis Ende 2022 um 1,9 Prozentpunkte auf 12,6 Prozent sinken. In einem extremeren Szenario, das für 2020 einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um 12,6 Prozent annimmt, würde sie bis dahin sogar um 5,7 Prozentpunkte auf 8,8 Prozent zusammenschmelzen. Diese Ergebnisse zeigten, dass Behörden bereit sein müssten, zusätzliche Schritte einzuleiten, falls sich die wirschaftliche Lage verschlimmere, erklärte Enria.


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