Kampfansage an Revolut & Co

Credit Suisse startet Handy-Bank

Zürich | 10.09.2020 | Reuters

Die Credit Suisse will Smartphone-Banken wie Revolut mit einer eigenen Tiefpreis-App überflügeln. Ab Ende Oktober bietet die Schweizer Großbank mit CSX im Heimmarkt eine ebenfalls günstige, aber breitere Palette an Bankdienstleistungen. „Wir waren der Meinung, dass wir insbesondere jungen Kunden zu wenig zu bieten haben“, sagte am Donnerstag der Chef des Schweizer Geschäfts, Andre Helfenstein. Mit CSX will er nun Wettbewerbern Kunden abjagen. Er räumte aber ein, dass auch Kunden von bestehenden und deutlich teureren Credit-Suisse-Angeboten zu CSX wechseln könnten: „Es kann zu einer Kannibalisierung kommen.“
Smartphone-Banken wie die britische Revolut oder die deutsche N26 haben binnen weniger Jahre Millionen Kunden gewonnen und werden von Anlegern mit Milliarden bewertet. Diese Firmen punkten neben niedrigen Gebühren auch mit Nutzerfreundlichkeit. In der Schweiz sind lokale Anbieter wie Zak, Neon und Yapeal aktiv. Mit CSX steigt nun die erste große Bank in dem Land in dieses Geschäft ein.

Vorerst biete CSX ein Franken-Konto, eine onlinefähige Debit-Mastercard inklusive kostenloser Auslandtransaktionen. CSX habe viele Funktionen von Revolut und N26 übernommen, erklärte Ingo Rauser, Schweiz-Chef der Unternehmensberatung Capco. „In einem nächsten Schritt kann Credit Suisse im Gegensatz zu den Neobanken nun aus dem Vollen schöpfen und digitale Versionen ihres Anlage- und Vorsorgeangebots aufschalten.“ Über die nächsten Monate plant das Institut eigenen Angaben zufolge die schrittweise Einführung von Angeboten im Anlage-, Vorsorge- und Hypothekarbereich. Von den nur digital verfügbaren Neobanken hebt sich CSX auch durch die Möglichkeit ab, einen Berater persönlich zu treffen.

Für Kunden, die Bankgeschäfte digital abwickelten, sei CSX in einem Basisangebot kostenlos. Wer Bargeld am Bankautomaten beziehe, müsse eine Gebühr entrichten. Helfenstein deutete an, dass die Bank mit dem neuen Angebot erst über die Zeit Geld verdienen werde. So dürften jüngere Kunden mit steigenden Alter Zusatzdienstleistungen wie Hypotheken in Anspruch nehmen. Die Bank setze darauf, mit CSX die Kundenzahl zu steigern. Credit Suisse komme im Schweizer Massengeschäft einschließlich kleinerer Firmen gegenwärtig auf über eine Million Kunden. Berater Rauser erwartet vorerst keinen Ansturm auf CSX: „Die Nutzer werden beim Launch im Oktober nicht vor der Filiale Schlange stehen, wie die Apple Community vor dem Store, wenn ein neues iPhone herauskommt.“ Die Nutzerschaft werde sich über die Zeit aufbauen, wenn sich die Zuverlässigkeit der App und das Preismodell herumsprächen.


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