BI im Gespräch

„Auch in der Krise nah beim Kunden“

Titelthema | 04.05.2020 | Redaktion

BVR-Präsidentin Marija Kolak hat im Videointerview mit der BI deutlich gemacht, dass die Genossenschaftsbanken auch in der Coronakrise ihren Kunden zur Seite stehen. Und auch wenn die Krise noch andauert, muss der Blick nach vorn gerichtet werden.

BI// Die Corona-Pandemie trifft natürlich auch die Genossenschaftsbanken und ihre Kunden. Wie gehen aus Ihrer Sicht die Banken vor Ort mit dieser noch nie dagewesenen Herausforderung bisher um?

Kolak// Diese außergewöhnliche Herausforderung hat die gesamte genossenschaftliche FinanzGruppe wirklich hervorragend gemeistert. Dies ist umso bemerkenswerter, als dass es bisher für uns alle keine vergleichbare Situation gegeben hat. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Genossenschaftsbanken unternehmen große Anstrengungen, um die Menschen auch in der Krise mit Bankdienstleistungen zu vorsorgen. Da kann man auch einmal innehalten und danke sagen. Mir ist es wichtig, dies der Politik in unseren zahlreichen Gesprächen in diesen Tagen und Wochen immer wieder in Erinnerung zu rufen. Das ist ein bedeutender Infrastrukturbeitrag, den die Banken und insbesondere die vor Ort stark vertretenen Genossenschaftsbanken leisten. Gleichzeitig konnten wir auf die gute Zusammenarbeit innerhalb der Gruppe vertrauen, beginnend mit unserer Rechenzentrale, DZ BANK Gruppe, den Verbänden und Dienstleistern. Da ist dann die volle Kraft dieser Gruppe zu spüren.

BI// Und wie setzt sich der BVR zurzeit für seine Mitgliedsinstitute ein? Wo bietet der Verband konkrete Unterstützung?

Kolak// Wir mussten als Verband schnell eruieren, welche Unterstützungsleistungen für unsere Banken in dieser Situation notwendig und sinnvoll sind. So haben wir zum einen sehr zügig eine Corona-Landingpage im BVR-Extranet aus dem Boden gestampft, auf der die Banken mit allen wesentlichen Informationen zu allen betroffenen Bereichen des Bankgeschäfts versorgt werden – sei es zum Maßnahmenpaket der Bundesregierung, zu den KfW-Produkten, zu bankfachlicher und rechtlicher Unterstützung, wie zum Beispiel ein Leitfaden für virtuelle General- oder Vertreterversammlungen, oder auch Hilfestellungen zur Kommunikation der Bank in der Krise. Über 40.000 Aufrufe dieser Landingpage zeigen, dass diese Hilfen auch stark nachgefragt werden. Zum anderen waren wir in intensivem Kontakt zur Politik, zu Ministerien, zur Aufsicht und auch zur KfW. Hier ging es darum, mit den Entscheidungsträgern – etwa im Bundesfinanz- oder Bundesjustizministerium – rechtliche und geschäftspolitische Probleme zu adressieren und über zielführende Maßnahmen zur Bewältigung der Herausforderungen aus der Krise zu verhandeln. Das war unter anderem die Möglichkeit, vorübergehend mit Blick auf Kapital- und Liquiditätspuffer unterhalb aufsichtlicher Vorgaben zu agieren oder eine differenziertere Betrachtung von Stundungs- und Ausfallvoraussetzungen vorzunehmen. Gleichzeitig brauchten wir auch operative und prozessuale Entlastungen beim Meldewesen oder bei den Anforderungen der MaRisk.

BI// Wie wichtig war hier der Kontakt zur Bankpraxis vor Ort?

Kolak// Dieser war und ist uns sehr wertvoll. So konnten unsere Mitgliedsinstitute über die verschiedenen Formate – beispielsweise das exklusive BVR-Vorstandsforum im Extranet oder aber auch aus verschiedensten Bankleiterkreisen – immer wieder direkte Hinweise geben, was jetzt in der Praxis erforderlich ist. Diese haben wir schnell aufgegriffen und in unsere Gespräche mit der Politik und Aufsicht einfließen lassen.

BI// Wie läuft die Vergabe der Krisenkredite an die Firmen- und Gewerbekunden?

Kolak// Erst einmal muss man loben, wie schnell diese Hilfspakete von der Politik implementiert worden sind. Gemeinsam mit Ministerien, Aufsichtsbehörden, KfW und Deutscher Kreditwirtschaft konnte somit eines der größten Kreditprogramme in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland bereitgestellt werden. Wir konnten dabei – auch als Sprecher der DK – viele Anregungen geben, die zum Gelingen der Programme beigetragen haben. So wird beispielsweise jetzt auf eine doppelte Kreditprüfung bei KfW und Hausbank verzichtet. Dies beschleunigt den Prozess erheblich und hilft unseren Kunden. Aber natürlich haben die Genossenschaftsbanken auch aktiv und gemeinsam mit ihren Kunden vor Ort nach Lösungen gesucht. Hier sind unsere Mitgliedsinstitute auch in der Krise nah beim Kunden – so wie es eben Tradition ist für ein genossenschaftliches Kreditinstitut.

BI// Und dann kommt der Bundesfinanzminister und sagt, dass die Banken in der Krise auch einmal „Fünfe gerade“ sein lassen sollen…

Kolak// Wir haben uns ja im Nachgang zu dieser Aussage auch als DK sehr deutlich positioniert. Diese Aussage war aus meiner Sicht nicht angemessen vor dem Hintergrund des historischen Kraftakts der Banken, den ich ja schon eingangs erwähnt habe. Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten gerade wahnsinnig viel. Allerdings können Banken nicht einfach von der Aufsicht vorgegebene Anforderungen oder ihre kaufmännische Sorgfalt über Bord werfen. Dies wäre kontraproduktiv und nützt niemandem. Es würde auch nicht zur Finanzmarktstabilität beitragen. Aber der Bundesfinanzminister hat uns ja in der Zwischenzeit auch geschrieben und seinen ausdrücklichen Dank an die vielen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort ausgesprochen, die trotz hoher Belastung den Kunden zur Seite stehen. Und das will ich auch an dieser Stelle gerne weitergeben.

BI// Die wirtschaftliche Situation insgesamt ist ja nicht ganz einfach und wird sicherlich auch angespannt bleiben. Wie gut sind die Genossenschaftsbanken gewappnet dafür?

Kolak// Wir sollten uns nichts vormachen: Die kaum einzuschätzende Dauer und Intensität der Coronavirus-Pandemie und die damit einhergehenden Beeinträchtigungen sowohl auf der Angebots- als auch der Nachfrageseite werden auch die Kunden der Genossenschaftsbanken treffen. Aber unsere Eigenkapitalbasis und die Liquiditätsausstattung der Institute ist gut und hat sich im vergangenen Jahr weiter verbessert, wie wir dies auf unserer Jahrespressekonferenz vor ein paar Wochen vorgestellt haben. Und es ist sicherlich von Vorteil in der derzeitigen Krisensituation, dass wir hier gut aufgestellt sind. Das ist ein strategischer Erfolgsfaktor, der unsere Resilienz erhöht. Wir müssen also aus heutiger Sicht für 2020 mit einem schwächeren Ergebnis rechnen. Aber nochmal: Wir sind robust aufgestellt. Und wir sind überzeugt, dass wir mit dieser Stabilität auch diese Krise meistern werden.

BI// Und auch ohne Coronakrise bleibt das Bankenumfeld ja herausfordernd genug …

Kolak// Das ist richtig. Die andauernde Niedrigzinspolitik sowie die Digitalisierung, die durch diese Krise wohl noch einmal einen Schub erhalten wird, sind immer noch existent. Wir müssen – ob Krise oder nicht – die Geschäftsmodelle der Institute weiterentwickeln und auf eine betriebswirtschaftlich langfristig tragfähige Grundlage stellen. Das Thema Strategieagenda ist nun wichtiger als je zuvor. Natürlich kann niemand genau ermessen, wie die Folgen der Corona-Pandemie aussehen. Aber es hilft sicherlich auch nicht, jetzt weiter nur die Infektionszahlen zu beobachten. Eines ist mir deshalb ganz wichtig: Wir müssen auch in dieser ungemein schwierigen Situation konstruktiv nach vorne schauen. Nur so können wir unsere Zukunft aktiv gestalten.

BI// Frau Kolak, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

Redaktion


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