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Erfolgreiches Geschäftsjahr für Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg / Kreditgeschäft deutlich im Plus / Genossenschaftliches Geschäftsmodell beweist Stärke

KREIS HEINSBERG, 25.01.2019 – „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, um unsere Genossenschaftsbanken für die Zukunft aufzustellen, ohne unseren Förderauftrag zu vernachlässigen." Dieses Fazit zog der Sprecher der vier Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg, Dr. Veit Luxem, als er gemeinsam mit seinem Kollegen Josef Brück (Volksbank Erkelenz) sowie Bruno Kasper und Walter Steinbusch (Raiffeisenbank Erkelenz) und Birgit Esser und Jörn Treichel (Volksbank Haaren) auf das Geschäftsjahr 2018 zurückblickte.

Es sei schon eine besondere Herausforderung, der sich die Genossenschaftsbanken gegenüber sehen: Ein Niedrigzins, der einerseits die Anlagemöglichkeiten und damit unter anderem auch die Altersvorsorge der Menschen erschwert und andererseits das Ergebnis der Banken drückt. Ein wachsender Wettbewerb mit völlig neuen Mitspielern wie Fintecs. Die Digitalisierung, die Chancen und Herausforderrungen gleichzeitig bereithält. Ein regulatorischer Rahmen, der viel Personal bindet. Und ein weltpolitisches Umfeld, wo mittlerweile jede Verlässlichkeit verloren geht. „In diesem magischen Fünfeck der Herausforderungen haben wir uns im Kreis Heinsberg im Raiffeisenjahr 2018 mehr als behauptet. Zehn Jahre nach der Lehmann-Pleite sind die Genossenschaftsbanken stark und zukunftsfähig aufgestellt."

Wachsende Kredite und Einlagen

Die konsequente Umsetzung der genossenschaftlichen Beratung habe 2018 insgesamt für die Kreditgenossenschaften im Kreis Heinsberg zu einem erfolgreichen Geschäftsjahr werden lassen. So sei das betreute Kundenvolumen um 4,9 Prozent auf über 5,6 Milliarden Euro gestiegen. Diese Zahl gibt zum einen wieder, wie hoch das Vermögen ist, das die Menschen in der Region ihrem Genossenschaftsinstitut anvertrauen. Sie addiert zudem die Investitionsmittel hinzu, die der heimische Mittelstand und die Häuslebauer, aber auch die Verbraucher für Konsumanschaffungen in Anspruch genommen haben. Die aggregierte Bilanzsumme der vier Genossenschaftsbanken sei um 6,4 Prozent (+ 164 Mio. Euro) auf über 2,7 Milliarden Euro gewachsen.

Deutlich zugenommen habe das Kreditgeschäft. Hier waren zum Stichtag 31. Dezember 2018 rund 1,7 Milliarden Euro an Mitglieder und Kunden ausgeliehen. Zusammen mit den in die genossenschaftliche Finanzgruppe vermitt elten Finanzierungen beträgt das Gesamtkreditvolumen 2,2 Milliarden Euro. Das sind rund 100 Millionen Euro oder 4,8 Prozent mehr bereitgestellte Investitionsmittel für die heimische Wirtschaft sowie für Mitglieder und Kunden als noch 2017. „Die Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg sind ein verlässlicher Partner von Unternehmen und Privatpersonen gleichermaßen. Gemeinsam mit Mittelstand, Handwerk und Landwirtschaft sichern wir so leistungsfähige und zukunftssichere regionale Wirtschaftsstrukturen", stellte Luxem heraus.

Die Mittel, die die Genossenschaftsbanken ausleihen, kommen aus der Region. „Mit ihren Einlagen in der Volksbank leisten unsere Kunden ihren Beitrag für die Finanzierung der örtlichen Wirtschaft", betonte Luxem. So funktioniere der regionale Geldkreislauf. Im vergangenen Jahr betrugen die Einlagen etwa 3,4 Milliarden Euro, 160 Millionen Euro mehr als 2017. „Wir verstehen diese wachsenden Einlagen als Zeichen des besonderen Vertrauens, das die Menschen in ihre Genossenschaftsbanken setzen."

Konsequenz der wichtigen Rolle der Genossenschaftsbanken für den Kreis sei die weitere Zunahme der Zahl an Mitgliedern. 1.854 neue Teilhaber wurden im vergangenen Jahr hinzugewonnen, auf 38.840 Mitglieder stieg ihre Gesamtzahl zur Jahreswende. „Wir laden alle Menschen unserer Region ein, Mitglied ihrer Genossenschaftsbank zu werden. Als Teilhaber unserer Banken können sie regionale Entwicklung stärken und über unsere Gremien mitgestalten. Alle reden von der Sharing-Economy als neue Form der Ökonomie. Dabei ist die Idee unter dem Begriff der Genossenschaft schon rund 150 Jahre alt aber zeitlos modern", so der Sprecher der Arbeitsgemeinschaft.

Appell zur genossenschaftlichen Anlageberatung

Nach wie vor schwierig ist nach Aussage Luxems die Situation der Sparer. „Alterssicherung steht angesichts des Niedrigzinsniveaus vor immensen Herausforderungen. Aktuell ist es unsere größte Aufgabe, unseren Kunden in der genossenschaftlichen Beratung Wege aufzuzeigen, wie die Alterssicherung gelingen kann." Anlagen in Wertpapieren und die eigene Immobilie sind richtige und wichtige Elemente einer Altersabsicherung.

Bei der Immobilie komme es darauf an, nicht aus dem Bauch heraus zu entscheiden, sondern sich durch Fachleute ebenso beraten zu lassen, wie bei der Geldanlage in Wertpapierfonds.

Dunkle Wolken am Himmel der globalen Wirtschaft

Besserungen beim Zinsniveau sieht Luxem frühestens im Herbst 2019. „Konjunkturell wäre eine Zinserhöhung durch die Europäische Zentralbank für die nordeuropäischen Länder schon jetzt gerechtfertigt", erklärte der Bankvorstand. „Aber die noch immer viel zu hohe Staatsverschuldung der Länder des südlichen Euro-Raums macht jede Zinserhöhung zu einem budgetären Risiko. Und hier sehe ich auf absehbare Zeit keine Änderung."

Wahlgeschenke in Italien, Reformunfähigkeit in Frankreich und wachsender Populismus in ganz Europa, würden die wirtschaftliche Entwicklung hemmen. „Genossenschaftsbanken sind Regionalbanken. Aber wir wissen ganz genau, was wir an einem starken und funktionierenden Europa haben", trat Luxem jedem Verdacht von Kirchturmsdenken entgegen. Selbstverständlich läge der Fokus auf der Finanzierung der Wirtschaft im Kreis Heinsberg. Aber viele Unternehmen seien exportorientiert und profitierten von einer funktionierenden europäischen Union.

„Keiner sollte unsere kritische Begleitung der europäischen Willensbildungsprozesse, unsere Zweifel an einem europäischen Bankensicherungsfonds oder unsere Forderung nach einer proportionalen Regulatorik mit einer Ablehnung des geeinten Europas gleichsetzen. Nicht zufällig seien die Genossenschaftsbanken Sponsor des Karlspreises. „Wir sind pro-europäisch."

Kein Wunder also, dass auch Luxem sich die Abkehr vom Brexit und den Verbleib Großbritanniens in der EU wünscht. Luxem: „Was wir dort erleben, ist ein Trauerspiel. Träumer vergangener Größe zündeln an der Zukunft des modernen und jungen Großbritanniens. Mehr Verantwortungslosigkeit geht nicht!"

Weitere konjunkturelle Gefahren sieht der Sprecher der Volks- und Raiffeisenbanken im Kreis Heinsberg in der Politik Trumps und der konjunkturellen Abkühlung in China. „Wir wollen das Ende des jahrelangen Aufschwungs in Deutschland nicht herbeireden. Aber wir können auch nicht die globalen Veränderungen mit der Abkehr vom freien Handel und der Hinwendung zum Protektionismus leugnen. Deutschland sollte daher in Europa eine sehr viel stärkere Rolle einnehmen, um Demokratie, Freihandel und Pluralismus zu stärken.

Zu einem weiteren Hemmschuh für Wachstum entwickelt sich die Situation am Arbeitsmarkt. „Wir haben im Kreis Heinsberg historisch niedrige Arbeitslosenzahlen. Das erschwert nicht nur die eigene Mitarbeitergewinnung sondern auch die von vielen Unternehmen der Region."

Risikogerechte Aufsicht – Moratorium gefordert

Ausgesprochen positiv bewerten die Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg die bankaufsichtlichen Entwicklungen in 2018. „Nach dem Ausbruch der Finanzkrise 2008 sah es lange Zeit aus, als ob auf europäischer Ebene versäumt wird, den regulatorischen Rahmen so zu gestalten, dass Systemrisiko und Risikogehalt des Geschäftsmodells hinreichend berücksichtigt werden. In 2018 – immerhin 10 Jahre nach Ausbruch der Finanzmarktkrise - ist die Wende gelungen", zeigte sich Luxem zufrieden.

Ausgangspunkt seien die Überlegungen des EU-Abgeordneten Peter Simons zur Überarbeitung der Kapitalmarktrichtlinie gewesen, die in überarbeiteter Form im Juni 2018 vom zuständigen Ausschuss des Europäischen Parlaments beschlossenen wurden. Ziel waren deutliche Erleichterungen für kleinere Banken und wenig riskante Geschäftsmodelle.

Anfang Dezember 2018 einigten sich dann auch die EU-Finanzminister auf Maßnahmen für mehr Proportionalität. Der Rat und das Europäische Parlament werden voraussichtlich Anfang 2019 über das Paket entscheiden.

Erleichterungen seien vor allem bei Berichts- und Offenlegungspflichten vorgesehen, aber auch bei den Vergütungsregeln. Aktuell verursachen Offenlegungsberichte einen hohen Aufwand bei den Volksbanken und Raiffeisenbanken, obwohl diese nicht börsennotiert sind und Offenlegungsberichte ausdrücklich für Kapitalmarktinvestoren gedacht sind.

Als Kriterium für die Einstufung als kleine Bank soll eine Bilanzsumme von bis zu 5 Milliarden Euro gelten. Ergänzend werden qualitative Kriterien herangezogen. „Der Ansatz, nicht nur die Bilanzsumme, sondern auch das Geschäftsmodell als Kriterium für die Frage heranzuziehen, ob eine Bank von regulatorischen Erleichterungen profitieren kann, ist sinnvoll."

Luxem appellierte an die Entscheidungsträger, dass der damit eingeschlagene Weg in Richtung größerer Proportionalität bei der weiteren Entwicklung der EU-Regulierung konsequent weiterverfolgt wird.

Gleichzeitig müsse verhindert werden, dass zusätzliche Meldepflichten eingeführt werden, die den positiven Effekt der geplanten Erleichterungen zunichtemachen.

Starke Genossenschaftsbanken bereit für die Zukunft

Mit dem Blick nach vorne sieht Luxem die Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg gut aufgestellt: „Zehn Jahre nach der Lehman-Pleite dürfte jedem Marktbeobachter klar sein, dass die Genossenschaftsbanken die stärkste Bankengruppe in Deutschland seien. Das gilt auch für die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Kreis Heinsberg."

Laut der Studie "Deutschlands Banken 2018", die die Unternehmensberatung Bain im Dezember 2018 der Presse vorstellte, haben die deutschen Genossenschaftsbanken 2018 mit rund sieben Prozent eine deutlich höhere Eigenkapitalrendite erzielt als der Durchschnitt der Bankenbranche mit rund vier Prozent.

Gleichzeitig sorge der Genossenschaftssektor vor. Die Bain-Studie zeigt zudem, dass die genossenschaftlichen Primärbanken als einzige Bankengruppe in Deutschland in den vergangenen 20 Jahren in keinem Jahr offene Rücklagen auflösen oder neues Kapital bei Anteilseignern einwerben mussten.

Zahlen, die auch von der Deutschen Bundesbank bestätigt werden.

„Für die geringe durchschnittliche Effizienz des deutschen Bankensektors, für die Deutschland auf EU-Ebene regelmäßig kritisiert wird, sind sicher nicht die Volksbanken und Raiffeisenbanken verantwortlich", zeigte sich der Sprecher der Kreisarbeitsgemeinschaft selbstbewusst.

Ertragslage zufriedenstellend

In diesem gesamtwirtschaftlichen Kontext sind die Genossenschaftsbanken im Kreis Heinsberg mit der Ertragslage zufrieden.

Das Betriebsergebnis vor Bewertung ist in 2018 mit 21,6 Millionen Euro leicht besser ausgefallen als 2017. So ist der aggregierte Verwaltungsaufwand 2018 um etwa 4,8 Prozent auf 51,3 Millionen Euro zurückgegangen. Niedrigzinsbedingte Rückgänge beim Zinsergebnis (- 2,7 Prozent auf 51,7 Millionen Euro), sind zum Teil durch ein besseres Provisionsergebnis (+ 2,8 Prozent auf 21,6 Millionen Euro) kompensiert worden.

Zusätzlich belasteten die Verwerfungen an den Kapitalmärkten - gerade in den letzten Tagen des Jahres - die Eigenanlagen in unseren Häusern, wohingegen Ausfälle im Kreditgeschäft ob der guten konjunkturellen Entwicklung kaum zu verzeichnen waren.

Luxem geht davon aus, dass nach Steuern in Höhe von fast 5 Millionen Euro ein Bilanzgewinn von 10,5 Millionen Euro ausgewiesen werden wird. Aus diesem Jahresüberschuss werde vorbehaltlich der Zustimmung durch die Anteilseigner eine Dividende von 1,1 Millionen Euro gezahlt. Das ist eine Verzinsung der Geschäftsguthaben von immerhin 5%. Ihr hartes Kernkapital – bestehend aus Geschäftsguthaben, Rücklagen und Fonds für allgemeine Bankrisiken – wollen die Institute, entsprechend den gestiegenen gesetzlichen Anforderungen, deutlich ausbauen.

Das gesamte Eigenkapital beläuft sich nach den entsprechenden Beschlüssen unserer Mitglieder mithin auf über 263 Mio. Euro.

Dieses deutlich positive Ergebnis sei dem Kostenbewusstsein, dem besonderen Engagement der 569 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie der tiefen Verwurzelung in der Region zu verdanken. „Wir haben hart gearbeitet und verantwortungsvoll gewirtschaftet."

Für die Banken im Kreis Heinsberg komme es nun darauf an, diese Stärke zu nutzen und die Herausforderung von Markt und Digitalisierung anzunehmen, ohne dabei den Kern ihres Erfolges zu gefährden.

Omnikanalstrategie wird konsequent weiterentwickelt

Die Volksbanken und Raiffeisenbanken im Kreis Heinsberg entwickeln unter dem Stichwort „Omnikanalstrategie" ihr Serviceangebot weiter. „Wir wollen da sein, wo unsere Mitglieder und Kunden sind. Und das sind zunehmend die digitalen Kanäle." So erklärt Luxem, die Schließung von 7 Filialen im gesamten Kreis Heinsberg und die Umwandlung von vier Filialen in SB-Stellen im Jahr 2018. „Das Kundenverhalten verändert sich: Einfache Serviceleistungen erledigen unsere Kunden zunehmend online. Gleichzeitig steigt der Bedarf nach komplexen Beratungsleistungen im Niedrigzinsumfeld." Kunden können daher aus einer breiten Palette von Kontaktmöglichkeiten wählen: Online von zu Hause, per VR-Banking-App von unterwegs oder auch persönlich in der nächsten Filiale.

„Das veränderte Kundenverhalten sowie der demographische Wandel erfordern nachdrückliches Handeln. Hierauf müssen die Vorstände im Kreis Heinsberg reagieren. Das machen sie, indem sie die Chancen der Digitalisierung konsequent für unsere Mitglieder und Kunden erschließen", so Luxem.

„Wir werden aber weiterhin im gesamten Geschäftsgebiet persönlich erreichbar sein", stellt Luxem klar. „Und wir kommen für unsere genossenschaftliche Beratung sogar, auf Wunsch, in die eigenen vier Wände unserer Kunden."

Insgesamt zeigen sich die Volks- und Raiffeisenbanken überzeugt, die richtige Balance zwischen wirtschaftlicher Nachhaltigkeit und Kundennähe gefunden zu haben. Luxem: „Wir sind und bleiben Genossenschaftsbanken mit klarem Förderauftrag!" Wir müssen und werden unsere regionale Verankerung bewahren und die Verantwortung für unsere Wirtschaftsstrukturen vor Ort tragen. „Dann werden wir auch weiterhin als erfolgreiche Bankengruppe im Kreis Heinsberg agieren."

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Weitere Informationen:
Tanja Lenz
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