Genossenschaften
Sebnitzer Wohnungsgenossenschaft vor Zerschlagung gerettet
Pirna/Sebnitz | 23.11.2021 | GLS Gemeinschaftsbank eG

Zwei sächsische Genossenschaften fusionieren, sichern damit genossenschaftliches Wohnen, gewährleisten bezahlbare Mieten und verbessern die Wohnqualität für hunderte Mieterinnen und Mieter im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

Die Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Sebnitz e.G. und die Volksbank Pirna eG planen eine Verschmelzung beider Unternehmen noch in diesem Jahr. Mit Hilfe der Volksbank Pirna kann so eine Zerschlagung der Sebnitzer Wohnungsgenossenschaft abgewendet werden. Zum zweiten Mal in Deutschland fusionieren eine Wohnungsgenossenschaft und eine Bank und retten damit genossenschaftliches Wohnen.

Vorteile des strategisch wichtigen Schrittes sind:

1.       Erhaltung genossenschaftlicher Wohnungen. Die Wohnungsgenossenschaft verfügt über einen entwicklungsfähigen Bestand von 480 Wohnungen in Sebnitz und Neustadt. Ein Großteil der Wohnungen befindet sich im Wohngebiet „Am Knöchel“ in Sebnitz. Diese bleiben genossenschaftlich und werden nicht zerschlagen oder verkauft. „Wir wollten es nicht dazu kommen lassen, dass eventuell der Wohnungsbestand aufgeteilt und gewinnbringend in Einzelteilen verkauft wird. Das hat der Wohnungsbestand und die Genossenschaft nicht verdient“, so Volksbank-Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Thomas Gischke.

2.       Sanierung und Instandsetzung der Wohnungen sowie Schaffung von inzwischen stark gefragten altersgerechten und barrierefreien Wohnungen oder für junges Wohnen mit größeren Wohnungszuschnitten und Balkonanlagen. Das notwendige Kapital für diese wichtigen Aufgaben stellt die Volksbank zur Verfügung. Aufgrund des Kapitaleinsatzes der Bank können Investitionen günstiger refinanziert werden. „Wir werden alle finanzierenden Banken nach Wirksamkeit der Fusion ablösen, dies gibt uns dann die volle Handlungsfähigkeit über unseren Wohnungsbestand wieder“, sagt Ulrich Franke von der GWG. „Zusätzlich konnten wir bei einem der Kreditgeber einen Teilforderungsverzicht aushandeln.“

3.       Gewährleistung sicheren und bezahlbaren Wohnens in Sebnitz und Neustadt. „Wir wollen mit unseren Mitteln dem Wohngebiet „Am Knöchel“ wieder den Stellenwert geben, den es zu DDR Zeiten als bevorzugtes Wohngebiet innerhalb Sebnitz hatte“ so Vorstandsvorsitzender der Volksbank Dr. Hauke Haensel. „In den kommenden Jahren planen wir Sanierungs- und Modernisierungsinvestitionen in den Wohnungsbestand. Ziel ist es dabei, zusätzliche gefragte Angebote zu schaffen.“

4.       Sicherung von Arbeitsplätzen. Neben der Geschäftsstelle verbleiben auch alle Mitarbeiter der GWG als Ansprechpartner der Genossenschaftsmitglieder erhalten. Hier wurden umfangreiche Arbeitsplatzgarantien vereinbart. „Unter den ausgehandelten Rahmenbedingungen ändert sich für die Mitglieder der GWG Sebnitz mit der Fusion kaum etwas. Ansprechstelle und Ansprechpartner bleiben erhalten, und die bisher Handelnden werden auch künftig an der Entwicklung mitwirken.“ So der Aufsichtsratsvorsitzende der GWG Sebnitz Herr Dornick.

Zeitpunkt, Namen:

Ziel ist die Fusion beider Häuser noch im Jahr 2021 zu vollziehen. Fusionsstichtag soll der 1.1.2022 sein. Hierzu ist die Zustimmung der Mitgliederversammlung der GWG Sebnitz (übergebende Genossenschaft) am 16.12.2021 und der Vertreterversammlung der Volksbank Pirna (übernehmende Genossenschaft) am 17.12.2021 erforderlich.

Die verschmolzene Genossenschaft wird unter dem Namen „Volksbank Pirna eG“ weiter firmieren. „Wir werden die GWG Sebnitz als Niederlassung gem. § 14 GenG am bisherigen Standort fortführen. Damit können wir den Namen Gemeinnützige Wohnungsgenossenschaft Sebnitz weiterführen“, so Aufsichtsratsvorsitzender Prof. Gischke.

Hintergrund und Fakten:

Die GWG Sebnitz wird als Niederlassung der Volksbank Pirna geführt und der Name kann fortgeführt werden. Der bisherige Aufsichtsrat der GWG wird als Beirat an allen Investitionsentscheidungen beteiligt. Der Aufsichtsratsvorsitzende der GWG wechselt in den Aufsichtsrat der dann neuen Volksbank Pirna eG.

Der Vorstand der verschmolzenen neuen Volksbank Pirna wird aus den bisherigen Vorständen Herrn Dr. Haensel und Herrn Köhler bestehen. Der hauptamtliche Vorstandsvorsitzende der GWG Sebnitz, Ulrich Franke, wird die Niederlassung „GWG Sebnitz“ wie bisher leiten.

Da es sich um zwei Genossenschaften handelt, macht es die Sache einfacher. Die Fusionsgutachten des Genossenschaftsverbandes und des Verbandes der sächsischen Wohnungsgenossenschaften bestätigen die Sinnhaftigkeit der Fusion und die vorhandenen Vorteile für die Mitglieder beider Genossenschaften. „Die seit Frühjahr laufenden Gespräche fanden von Anfang an auf Augenhöhe statt, und wurden mit viel Respekt für die bisher geleistete Arbeit geführt. Der genossenschaftliche Grundgedanke, der beide Unternehmen verbindet, war bei der Planung der verschmolzenen Genossenschaft von Vorteil“ sagt Vorstandsvorsitzender der GWG Sebnitz Ulrich Franke.

Ganz so optimistisch schauten die vier andern finanzierenden Gläubigerbanken der Wohnungsgesellschaft nicht in die Zukunft der GWG. Diese Banken drängten wegen zunehmenden Investitionsrückstau und fehlender Finanzierungsperspektive notwendiger Instandhaltungs- und Investitionsmaßnahmen zu einem Gesamtverkauf des Wohnungsbestandes an einen Investor. Diesen hatten die anderen Banken gleich mitgebracht. Am Ende hätte die Zerschlagung der Wohnungsgenossenschaft und ihrer 120-jährigen Geschichte gestanden.


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